Bild Siloah St. Trudpert Klinikum, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Header, 4 radiologische Röntgenbilder des Schädels
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Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Behandlungstechniken arterieller Durchblutungsstörungen

Für die Behandlung der AVK (Arterielle Verschlusskrankheit) gibt es mehrere Methoden, die kombiniert, aber auch als alleinige Therapie angewandt werden können. Die Wahl des geeigneten Verfahrens ist abhängig vom Ausmaß der Beschwerden, vom Alter und allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten, vom betroffenen Blutgefäß und vom Ausmaß der Veränderungen an den Blutgefäßen.

Konservative Therapie: Gehtraining und Gefäßsport

Interventionelle Verfahren: minimal-invasive Eingriffe unter Zuhilfenahme bildgebender Techniken wie z.B. Röntgendurchleuchtung und Angiographie

Gefäßchirurgische Verfahren: Gefäßoperationen wie z.B. Bypass (Umleitung), Atherektomie (Ausschälen), Patchplastik („Flicken“ einsetzen)

Verfahren zur Wiedereröffnung verengter oder verschlossener Blutgefäße

Ballondilatation

Die Aufdehnung einer Verengung (Stenose) eines Blutgefäßes wird in der Fachsprache PTA (Perkutane Transluminale Angioplastie) genannt. Durch Punktion (Einstich mit einer Kanüle) eines oberflächennahen Blutgefäßes, meist der Leistenarterie, können wir einen kleinen äußeren Zugang schaffen (perkutan = durch die Haut); dann schieben wir kleine Instrumente wie z.B. ein Ballonkatheter unter Röntgendurchleuchtung durch die Blutgefäße (transluminal) bis an die Stenose vor; den anfangs zusammengefaltete Ballon können wir dann in der Stenose aufdehnen und somit das Lumen der Arterie erweitern, der normale Zustand des Blutgefäßes ist wiederhergestellt (Angioplastie). Nach Beendigung des Eingriffs entfernen wir den Ballonkatheter dann im wieder zusammengefalteten Zustand.

Bei der Ballondilatation bringen wir über eine Arterie, meist die Leistenarterie, ein Ballonkatheter ein und führen ihn in die verengte Stelle vor. Den anfangs zusammengefalteten Ballon dehnen wir in der Engstelle auf, wodurch das Lumen der Arterie dort erweitert wird. Im zusammengefalteten Zustand entfernen wir den Ballon dann wieder.

Ballonkatheter gibt es, entsprechend ihrem Einsatzbereich, aus verschiedenen Materialien, in verschiedenen Formen und Größen. Im zusammengefalteten Zustand sind sie meist nur zwischen 1,6 und 2,3 mm dick, und sie erreichen eine Maximalgröße zwischen 2 und 10 mm im aufgeblasenen Zustand.

Die PTA wurde bereits in den siebziger Jahren für die Behandlung von arteriellen Stenosen oder Verschlüssen entwickelt und hat seitdem große Verbreitung gefunden. Heute ist die PTA eine Routinemaßnahme im Bereich der Interventionellen Radiologie, mit der so gut wie alle Blutgefäße behandelt werden können.

Neuerdings gibt es für spezielle Fälle auch Ballons, die ein Medikament an die Arterienwand abgeben, welches ein Rezidiv (erneute Einengung) verhindern soll.

Stentimplantation

Bei der Stentimplantation implantieren wir nach dem gleichen Prinzip ein Stent (Gefäßstütze) in die verengte Stelle. Ein Stent ist ein bioverträgliches, aus feinen Metallfäden oder -streben bestehender Schlauch, den wir in ein Blutgefäß implantieren und der dort von innen her die Wand stützt, also sozusagen wie ein „inneres Korsett“ wirkt. So können wir ein verengtes Blutgefäß erweitern und offen halten.

Das Prinzip der Stentimplantation ist ähnlich dem der Ballondilatation: für die Einführung in das verengte Blutgefäß liegt der Stent in einer kleinen, zusammengedrückten Form vor und wird, wenn er in der Stenose platziert ist, freigesetzt, wobei er sich auf seinen maximalen Durchmesser dehnt.

Der Stent verbleibt im gedehnten Gefäßabschnitt und wächst dort mit der Zeit in die Arterienwand ein. Eine Stentimplantation kommt zum Einsatz, wenn eine vorhergehende Ballondilatation nicht das gewünschte Ergebnis zeigt, oder als primäre Behandlung bei Verengungen oder Verschlüssen, bei denen eine Ballondilatation keinen Erfolg verspricht.

Der erste Stent wurde 1987 von Prof. Strecker im Diakonissenkrankenhaus Karlsruhe entwickelt und zur Behandlung von Patienten zugelassen. Inzwischen steht eine Vielzahl verschiedener Stentmodelle und –techiken zur Verfügung, die im Hinblick auf die Behandlung der verschiedenen Blutgefäße und der Art der vorliegenden Verengung optimiert sind und sich in ihren Eigenschaften unterscheiden:

  • Material: Edelstahl-Legierungen, Nickel-Titan-Legierung, Spezial-Legierungen;
  • physikalische Eigenschaften: Biegsamkeit, Expansionsstärke, Stauchungstoleranz;
  • Freisetzungsmechanismus: ballondehnbar oder selbstexpandierend.

Neuerdings gibt es für spezielle Fälle auch Stents, die ein Medikament an die Arterienwand abgeben, welches ein Rezidiv (erneute Einengung) verhindern soll. Bei kugeligen Gefäßaussackungen (Aneurysma) kommen bedeckte (ummantelte) Stents (sogenannte Stent-Grafts) zum Einsatz, die den normalen Fluss innerhalb der Blutbahn wieder herstellen. Der behandelnde Radiologe wird den für Sie am besten geeigneten Stent aussuchen.

Moderne, besonders flexible Stents können wir auch in Blutgefäße implantieren, die einer Biegung unterliegen, wie z.B. die Kniekehlenarterie (Arteria popplitea). Bei der Beugung des Knies biegt der Stent sich mit.

Im Allgemeinen sind Stents eine offene Gitterkonstruktion. Für spezielle Erkrankungen wie z.B. ein Aneurysma (Aussackung eines Blutgefäßes) wurden bedeckte Stents (Stent-Grafts) entwickelt, die das Blutgefäß im sackförmig erweiterten Bereich auf seine normale Größe reduzieren.

Fibrinolyse

Wenn ein Blutgefäß durch ein großes Blutgerinnsel (Thrombus) verschlossen wurde, können wir es mit Medikamenten, die den Thrombus auflösen (Thrombolytika / Fibrinolytika), wiedereröffnen (Thrombolyse / Fibrinolyse). Das Medikament geben wir ins Blutgefäßsystem, entweder durch eine Infusion in der Armvene (systemische Therapie), oder über einen Katheter direkt in das verschlossene Blutgefäß (lokale Therapie). Die lokale Lyse hat gegenüber der systemischen Lyse den Vorteil, dass das Medikament in einer hohen wirksamen Konzentration direkt am Thrombus seine Wirkung entfalten kann; die Gefahr von Blutungen an anderen Stellen des Körpers können wir dadurch erheblich verringern. Die Katheter-Lyse ist ein interventionell-radiologisches Behandlungsverfahren und wird im Folgenden beschrieben.

Bei thrombotischem Verschluss z.B. einer Becken- oder Oberschenkel-Arterie punktieren wir eine Leisten-Arterie und unter Röntgendurchleuchtung schieben wir einen Katheter durch das Blutgefäß bis an den Thrombus vor und falls möglich sogar in den Thrombus hinein. Durch den Katheter geben wir dann das Medikament, das den Thrombus auflöst. Zur Kontrolle des Behandlungserfolges fertigen wir Angiographien (Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel) an und schieben den Lyse-Katheter jeweils ein Stück weiter vor, bis das Blutgefäß wieder durchgängig ist. Je nach der Ausdehnung des thrombotischen Verschlusses kann es bis zu 24 Stunden dauern, bis das Blutgefäß wieder eröffnet ist. Da auch bei der Katheterlyse-Therapie ein Risiko für Blutungskomplikationen besteht, überwachen wir den Patient während dieser Zeit intensivmedizinisch.

In vielen Fällen können wir durch alleinige Lyse keine vollständige Wiedereröffnung erreichen, da dem Gefäßverschluss oft eine durch Arteriosklerose bedingte Verengung zugrunde liegt, die wir dann mittels Ballondilatation und eventueller Stentimplantation beseitigen.
 

Nachbehandlung nach einem Gefäßeingriff


Nach einem interventionellen Gefäßeingriff entfernen wir alle Instrumente aus dem Blutgefäß und der Arzt komprimiert die Punktionsstelle solange von der Hand, bis kein Blut mehr austritt. Die Punktionsstelle verschließen wir mit einem biologisch abbaubaren Implantat (Pfropfen) und verordnen dem Patienten mehrere Stunden Bettruhe.

Da die Innenwand des Blutgefäßes erkrankt ist, ist sie rau, und an der behandelten Stelle lagern sich leicht Blutgerinnsel (Thromben) an, die wiederum zu einem Gefäßverschluss führen können. Zur Senkung dieses Risikos verabreichen wir bereits während des Eingriffs blutverdünnende Medikamente, die wir auch während des Krankenhausaufenthalts weiter geben. Überlappend dazu stellen wir den Patient auf die Medikamente ein, die er zur häuslichen Nachbehandlung verschrieben bekommt.

Ein Bluterguss unter der Haut im Bereich der Punktionsstelle, der durch die vorübergehende Blutverdünnung entstehen kann, ist meist harmlos, wenn auch optisch beeindruckend, und wird im Verlauf der folgenden Wochen vom Körper abgebaut. Sollte es darüber hinaus zu einer örtlichen Schwellung oder zu Druckbeschwerden oder Schmerzen im Bereich der Punktionsstelle kommen, sollte der Patient möglichst bald seinen Arzt bzw. den Interventionellen Radiologen aufsuchen.