Bild Siloah St. Trudpert Klinikum, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Header, 4 radiologische Röntgenbilder des Schädels
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Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie

Das Prinzip der Chemoembolisation

Die Chemoembolisation ist eine Weiterentwicklung zur Tumorbehandlung. Diese verbindet eine Embolisation eines Tumors mit einer örtlichen Chemotherapie (TACE = Transarterielle Chemoembolisation).

Bei einer üblichen Standard-Chemotherapie wird das Zytostatikum (Medikament, das die Zellvermehrung verhindert und Tumorzellen abtötet) z.B. über eine Vene verabreicht und verteilt sich dann über den gesamten Körper.

Bei der Chemoembolisation beladen wir Embolie mit dem Medikament und geben es über einen Katheter (TACE) in das Tumorareal. Das Medikament kann hier bei verminderter Tumordurchblutung aufgrund der gleichzeitigen Embolisation konzentrierter und länger einwirken.

Dies führt dazu, dass das Zytostatikum lokal in einer höheren Dosis auf den Tumor einwirkt, ohne dabei das Risiko von Nebenwirkungen auf den gesamten Körper zu erhöhen. Durch den zusätzlichen Verschluss (Embolisation) des Versorgungsgefäßes wird dem Tumor darüber hinaus auch die Blutversorgung und damit die Nahrung entzogen.

Wir führen den Eingriff minimal-invasiv durch. Das bedeutet, dass wir in dem Verfahren einen Katheter durch die Leistenarterie schieben. Eine Narkose ist nicht notwendig, da diese Behandlung nicht schmerzhaft ist. Ein kurzer stationärer Aufenthalt ist notwendig, um eventuelle Nebenwirkungen zu behandeln, z.B. können Übelkeit mit Erbrechen und Oberbauchbeschwerden auftreten, die jedoch behandelbar sind und nach etwa 24 Stunden vergehen.

Unter örtlicher Betäubung der rechten oder linken Leiste punktieren wir die darunterliegende Leistenarterie mit einer Hohlnadel. Mittels Röntgen-Durchleuchtung führen wir zunächst eine Übersichts-Angiographie der Gefäßversorgung der Leber und der benachbarten Organe durch, um alle den Tumor versorgende Arterien zu erfassen.

Für die Embolisation bzw. Chemoembolisation (TACE) schieben wir sodann einen dünnen Katheter z.B. in die betreffende Leberarterie vor, die den Tumor mit Blut und Nährstoffen versorgt. Daraufhin schwemmen wir durch den Katheter mit dem Zytostatikum beladene Embolisationpartikel ein, bis wir eine Tumordurchblutung nicht mehr feststellen können.

Zumeist verwenden wir  Epirubicin, Doxirubicin oder Irinotecan als Zytostatikum. Da der Blutfluss in den tumorversorgenden Arterien sehr viel stärker ist als in den Gefäßen des gesunden Lebergewebes, schwemmen wir die beladenen Embolie vorzugsweise in den Tumor. Das Medikament wird langsam bis zu zwei Wochen von den mit dem Zytostatikum beladenen Embolie an das Tumorgewebe zum Einwirken abgegeben. In seltenen, sehr fortgeschrittenen Fällen ist es notwendig, dass wir zusätzlich größere Embolie in die Tumorarterie einbringen, um die Blutversorgung des Tumors vollkommen zu unterbinden. Schließlich entfernen wir den Katheter und verschließen die Punktionsstelle in der Leiste durch ein Verschlusssystem, sodass der Patient nach wenigen Stunden wieder aufstehen kann.

Bewertung der Methode

Viele Patienten profitieren von der Chemoembolisation, die zu einem Wachstumsstillstand des Tumors, einer Verkleinerung des Tumors oder sogar zu seinem völligen Verschwinden führen kann; die Beschwerden und die Lebensqualität des Patienten können in vielen Fällen verbessert werden, abhängig von der Art des Tumors und vom Stadium der Tumorerkrankung.

In unserer Klinik stellt die beschriebene Katheterembolisation (TACE) heute das Routine-Verfahren unter den interventionell-radiologischen Maßnahmen zur Behandlung von Lebertumoren dar, die nicht chirurgisch oder durch andere sogenannte ablative (abtragende oder verödende) Maßnahmen wie z.B. eine Thermoablation (siehe unten) entfernbar sind. Auch bei Patienten, bei denen der Tumor nicht auf eine systemische Chemotherapie anspricht, ist eine lokale TACE sinnvoll. In manchen Fällen kann der Tumor durch eine TACE so weit verkleinert werden, dass danach eine operative Entfernung oder eine Thermoablation möglich ist. Die Thermoablation wird im Folgenden beschrieben:

HITT (Hochfrequenzstrom-induzierte Thermo-Tumorablation), auch RFA (Radiofrequenzablation) genannt

Die HITT ist ein Verfahren, bei dem wir unter bildgebender Kontrolle mittels Ultraschall Sonographie, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie, MRT) durch die Haut eine etwa 2 mm starke Spezial-Sonde direkt in das Zentrum des Tumors einführen. Die Spitze der Sonde gibt einen Hochfrequenzstrom ab, der das umgebende Gewebe überhitzt. Die Tumorzellen werden durch die Überwärmung zerstört (verkocht, verödet).

Für den Eingriff benötigen wir nur selten eine Narkose. Wir führen ihn  in der Regel unter Sedierung (Beruhigungsmittel), Schmerzmedikation und örtlicher Betäubung durch.

Die Größe des Tumors bestimmt die Stärke des Hochfrequenzstroms und die Dauer der Stromabgabe (etwa 30 min). Entsprechend der Reichweite des Thermo-Effektes, und unter Einberechnung eines Sicherheitsabstandes von 1 cm zu umgebenden Organen, können wir in einer Sitzung Tumore behandeln, die eine maximale Größe (Durchmesser) von 3 cm haben. Größere Tumoren müssen eventuell in zwei Sitzungen behandelt werden. In einer Sitzung können wir bis zu 3 solide Tumoren/Metastasen mit einer HITT behandeln.

Meistens genügt eine einmalige Behandlung, um den Tumor zu zerstören. Die Blutungsgefahr ist bei diesem Eingriff gering, da die umgebenden Gefäße durch die Überwärmung verschlossen werden (Embolisations-Effekt).

Eine Metastasenleber, die von multiplen Metastasen völlig durchsetzt ist, eignet sich jedoch nicht für eine HITT.
Eine HITT kann auch nach längerer Zeit noch wiederholt werden, z.B. wenn früher behandelte Tumoren/Metastasen nach anfänglichem Wachstumsstillstand später ein erneutes Wachstum aufweisen.