Bild Siloah St. Trudpert Klinikum Pforzheim, Klinik für Innere Medizin 3, Ausschnitt Oberkörper mit Fokus auf Lunge
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Klinik für Innere Medizin 3 (Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin)

Steckbrief Rauchen

Bezeichnung     Rauchen, Nikotinsucht
Krankheitsart    Suchterkrankung
Verbreitung    weltweit
Auslöser    Neugier, Gruppenzwang, Werbeversprechen
Raucherzahl    1.100 Millionen weltweit
Tote pro Jahr    3 Millionen weltweit

Bei 20 Zigaretten pro Tag nimmt der Mensch in 20 Jahren insgesamt 6 Kg Raucherstaub auf (10 Briketts) und jährlich eine Tasse Teer. 

Jeder weiß: Rauchen ist gesundheitsschädlich. Spätestens seit auf den Zigaretten- und Tabakverpackungen Schockbilder und warnende Sprüche abgedruckt sind. Dennoch rauchen viele Menschen trotzdem. Raucher wissen genau, wie gefährlich der Qualm und die darin enthaltenen Substanzen sind, blenden die gesundheitlichen Risiken aber aus. Mit diesen Informationen möchten wir bewusst machen, wie das Rauchen der Gesundheit schadet und dass sich ein Rauchstopp in jedem Fall lohnt.

Aktion "Pfeif drauf!"

Bild Siloah St. Trudpert Klinikum Pforzheim, Klinik für Innere Medizin 3, shisharauchendes Mädchen

Die gesundheitlichen Risiken des Shisha-Rauchens: Eine Aktion für Schulklassen aus Pforzheim und dem Enzkreis.
Bei unserer Info-Aktion "Pfeif drauf!" werden Schülerinnen und Schüler zielgruppengerecht in einem interaktiven Vortrag auf die Gefahren des Rauchens von Zigarette und Shisha aufmerksam gemacht.
Weitere Informationen zu "Pfeif drauf!" finden Sie hier.

Auswirkungen auf den gesamten Körper

Tabakrauch enthält neben Nikotin, Kohlenmonoxid und Teer mehr als 3.000 chemische Verbindungen, die eine nachgewiesene schädliche Wirkung auf den gesamten Körper haben.

Arterien und Venen

Venen leiten das Blut zum Herzen hin und Arterien transportieren das Blut vom Herzen weg. Durch den Rauchkonsum können sich Arterien schnell verengen. Ganze Gliedmaßen erhalten zu wenig Sauerstoff und können absterben. Das Krankheitsbild heißt Arteriosklerose deren Folge z.B. das „Raucherbein“ sein kann. Insbesondere haben geschädigte Venen eine höhere Thrombosegefahr. Bei einer Thrombose verschließen Pfropfen aus Blutgerinnsel die Blutbahnen. Löst sich solch ein Blutgerinnsel und gelangt in den Blutkreislauf, kann das Gerinnsel wichtige Blutgefäße im Gehirn oder in der Lunge verstopfen. Das kann im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Extremitäten

Arteriosklerose in Armen und Beinen

Der Rauch verkalkt die Arterien zunehmend, es kommt zu weiteren Verengungen und schließlich zum Verschluss. Besonders oft sind Arme und Beine betroffen. Das bekannteste Krankheitsbild ist der arterielle Verschluss am Unterschenkel und Fuß – auch bekannt unter dem Begriff "Raucherbein". Ein rechtzeitiger medizinischer Eingriff ist nötig, um das Bein zu retten. Denn durch den Sauerstoffmangel stirbt es langsam ab und droht amputiert zu werden.

Lunge

Vom Raucherhusten über eine Bronchitis bis zur Lungenüberblähung

In der Lunge befinden sich feine Flimmerhärchen, die für die Reinigung der Atemwege sorgen. Da der Rauch die Härchen zerstört, können Giftstoffe nicht vollständig gefiltert werden. Die Schadstoffe reizen die Bronchien und Staub und Schleim legen sich auf die Lunge. In der Folge kommt es zu starkem, hartnäckigen Raucherhusten sowie zähem Auswurf. Hinzukommend verengen sich die Luftwege, wodurch Atemnot aufkommt. Auf diese Weise kann auch Lungenkrebs entstehen.

Rauchende tragen ein bis zu 40fach höheres Risiko an Krebs zu erkranken als Nichtraucher. Besonders gefährdet sind Zunge, Rachen, Mundhöhle, Kehlkopf, Luft und Speiseröhre, Lunge sowie Schleimhäute.

Als weitere typische Lungenerkrankung kann das Lungenemphysem, auch Lungenüberblähung, genannt werden. Sie entsteht oftmals in Folge einer chronischen Bronchitis. Hier sind die Lungenbläschen, die für den Austausch von Sauerstoff verantwortlich sind, dauerhaft überdehnt. Dadurch bekommt der Körper nicht genügend Sauerstoff und das Atmen fällt sehr schwer.

Mund

Rauchen verursacht im Mund:

  • gelbe Zähne
  • unangenehmen Mundgeruch
  • Zahnbelag
  • Karies
  • Zahnstein
  • Löcher in den Zähnen
  • Rückgang von Zahnfleisch und Kieferknochen
  • Entzündungen in Zahnfleisch und Zahnbett
  • Zahnausfall
  • Pilzinfektionen und Verhornungen der Mundschleimhaut
  • Mundhöhlenkrebs

Haut

Verschlechtertes Hautbild

  • Gräulich wirkende Haut durch schlechte Durchblutung
  • Rauchen vermindert die Collagenbildung, ein Bindegewebe der Haut, was schnellere Hautalterung nach sich zieht
  • Die Wundheilung verschlechtert sich 
  • Das Nikotin färbt die Finger gelb
  • Rauch fördert Akne und Neurodermitis

Knochen

Rauchen schwächt die Knochensubstanz  

Wird Tabak verbrannt, entsteht die giftige Gasverbindung Kohlenmonoxid. Durch das Kohlenmonoxid kann die Transportfähigkeit des Sauerstoffs um bis zu 15 Prozent verringert werden.  Dadurch verlieren die Knochen zunehmend an Festigkeit, können leichter brechen und benötigen mehr Zeit für die Heilung. Typische Krankheitsbilder sind Knochenschwund oder auch Osteoporose.

Herz

Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems

Die durch das Rauchen verursachten Verengungen und Verstopfungen der Blutgefäße können auch das Herz betreffen. Erhält das Herz zu wenig Sauerstoff, kann das Herzmuskelgewebe absterben. Dies kann zum Herzinfarkt führen. Das Herz ist nicht mehr in der Lage ausreichende Mengen an Blut in lebenswichtige Organe zu pumpen. Folglich kommt es zum tödlichen Herzversagen.

Gehirn

Suchtfaktor Nikotin

An Tabak macht besonders das Nikotin süchtig. Es produziert eine Vielzahl positiver Effekte:

  • wirkt beruhigend und entspannend
  • steigert die Aufmerksamkeit
  • Stresstoleranz nimmt zu
  • dämpft den Hunger
  • wirkt anregend bei Verstimmung und Ermüdung

Es gibt zahlreiche Alltagssituationen, die manche Menschen zum Rauchen verleiten: z.B. nach dem Essen, in Arbeitspausen, zur Entspannung am Abend oder wenn es mal stressig wird. Das Rauchen ist dadurch an die Situationen aus dem Alltag, die als Schlüsselreize dienen, gekoppelt.

Nikotin erreicht das Gehirn in nur 7 Sekunden nach der Inhalation. Bereits nach einer Stunde fällt der Nikotinspiegel im Blut wieder auf ein Viertel ab. Der Körper zeigt erste Entzugserscheinungen, wie ein Gefühl der Leere und Unruhe. Der Körper bzw. das Gehirn fordert die nächste Zigarette.

„Die Zigarette ist der perfekte Genuss, sie stimuliert, aber befriedigt nicht.“ Oscar Wilde

Magen

Rauchen schlägt auf den Magen

Durch das Rauchen ist der Magen weniger robust gegenüber Bakterien. Raucher erkranken daher häufiger an Magengeschwüren als Nichtrauchende. Hinzu kommt, dass der Magen nach den Mahlzeiten die freigesetzte Säure weniger gut abbauen kann. Die Magenschleimhaut ist angegriffen und kann dadurch verletzt und gereizt werden.

Sexualität

Rauchen beeinflusst die Geschlechtsorgane

Bei Frauen:

  • Wenn Frauen rauchen, erhöht sich das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken um bis zu 60 Prozent. Der giftige Qualm begünstigt die virenbedingte Tumorentstehung. Selbst in der Gebärmutterhalsschleimhaut lassen sich krebserregende Stoffe aus dem Tabak nachweisen.
  • Zudem ist das Rauchen in der Schwangerschaft extrem schädlich für das Baby. Es kann zu  Fehlgeburten und Missbildungen kommen.
  • Rauchen vermindert die Fruchtbarkeit: Die Hormonbildung ist gestört und die Konzentration der weiblichen Hormone gesenkt. Die Entwicklung der Eizellen ist ebenfalls beeinträchtigt. Außerdem wird die Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutter und somit eine Schwangerschaft erschwert.
     

 Bei Männern:

  • Rauchen kann bei Männern zu Impotenz führen. Der giftige Rauch beeinflusst die Blutgefäße, die für die Durchblutung des Penis sorgen. Wenn die Gefäße geschädigt sind, kann es zu Erektionsstörungen kommen.
  • Spermien können durch die Giftstoffe beschädigt werden. Auch die  Spermienmenge wird strakt beeinflusst. Die Impotenz-Rate bei rauchenden Männern ist höher als bei Nichtrauchern.

Augen

Verklärte Sicht durch Tabakrauch

  • Das Erblindungsrisiko für Raucher ist 40 Prozent höher als das für Nichtraucher. Die beim Rauchkonsum freigesetzten giftigen Stoffe schädigen die Nervenzellen in der Netzhaut und verdicken die Gefäßwände. Die Durchblutung des Auges wird beschränkt. Dadurch wird das Auge nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und Sehzellen sterben ab.
  • Bei Augen von Rauchern kommt es schneller zu einer Linsentrübung wie z.B. dem Grauen Star.
  • Rauchen hat erhebliche Auswirkungen auf den Tränenfilm, die Schutzschicht des Auges. Raucher klagen häufig über trockene Augen.
  • Der Augeninnendruck ist bei Rauchern höher. Häufige Blutungen am Rand des Sehnervkopfes deuten auf eine Verschlechterung des Gesichtsfeldes hin.

Tabakrauch kann die Augenkrankheiten auf zwei Arten verursachen:

  1. Die Augen werden durch den Rauch von außen gereizt.
  2. Schadstoffe aus der Lunge gelangen über den Blutkreislauf in die Augen.

Ohren

Rauchen: Unverständliche für die Ohren

Da sich Giftstoffe des Tabaks in den Blutgefäßen der Gehörgänge ablagern können, verengen sich auch die Ohrgefäße. Folglich wird das Innenohr nicht mehr ausreichend durchblutet, was zu einem Hörverlust führen kann.

Zudem sind Raucherinnen und Raucher dreimal mehr gefährdet, an einer schmerzhaften Mittelohr-Entzündung zu erkranken.

So schnell erholt sich der Körper nach einer Zigarette

Schon nach 20 Minuten
Herzschlag, Blutdruck und die Körpertemperatur sinken auf die Werte eines Nichtrauchers.
Nach 8 Stunden
Sauerstoff verdrängt das Kohlenmonoxid aus dem Blut.
Nach 24 Stunden
Kommt es zu einem Rückgang des Herzinfarktrisikos.
Nach 48 Stunden
Der Geruchs- und Geschmackssinn verbessern sich.
Nach spätestens 3 Monaten
Blutkreislauf verbessert sich; Lunge kann fast ein Drittel mehr Sauerstoff aufnehmen.
Nach spätestens 9 Monaten
Raucherhusten verschwindet, Abgespanntheit und Kurzatmigkeit werden deutlich besser.
Nach 2 Jahren
Herzinfarkt und Lungenkrebsrisiko sind deutlich gesunken.
Nach 10 Jahren
Lungenkrebsrisiko ist so hoch wie bei einem Nichtraucher.
Nach 15 Jahren
Herzinfarktrisiko ist kaum höher als bei einem Nichtraucher.

Methoden zur Rauchentwöhnung

Die Grundvoraussetzung, um mit dem Rauchen aufzuhören, ist der eigene Wille. Durch eine Kombination verschiedener Methoden kann die Erfolgschance gesteigert werden. Welche Methode wie hilfreich ist, unterscheidet sich individuell von Mensch zu Mensch. Es geht vor allem darum selbst aktiv zu werden: Sich mit seinen Rauchmustern auseinander zu setzen und genussvolle Alternativen zu schaffen.

Schlusspunkt-Methode

Von jetzt auf gleich das Rauchen beenden: Die Schlusspunkt-Methode eignet sich besonders gut für Raucher, die einen starken Willen haben. Kurz und knapp: Ab sofort keinen Tabak mehr.

Antiraucherpille

Das Medikament dämpft Entzugserscheinungen im Gehirn. Raucher nehmen die Tablette ein und reduzieren damit langsam ihren Tabakkonsum.

Nikotinersatztherapie

Bei dieser Methode wird Nikotin mittels nikotinhaltiger Präparate wie Pflaster, Kaugummi, Nasalspray-Inhalator oder Microtab dosiert zugeführt.

Schrittweise Raucherentwöhnung

Auch die schrittweise Entwöhnung kann zum Erfolg führen. Hier wird die Menge des täglich gerauchten Tabaks reduziert. Es ist hilfreich, sich einen Tag X als Stichtag festzulegen, an dem man in sein rauchfreies Leben startet.

Verhaltenstherapie

Erlernte Verhaltensweisen können im Rahmen eines therapeutischen Prozesses wieder „verlernt“ bzw. „neu erlernt“ werden – so auch das Rauchen. Das Ziel ist dabei die Verführungssituationen kontrollieren zu können und die Einstellungen des Rauchers zu verändern, um Rückfälle besser vorzubeugen.

Hypnose

Bei der Hypnose wird die betroffene Person in Trance versetzt. Damit wird eine Wirkung auf das Unterbewusstsein erzielt. Der Hypnosetherapeut verknüpft das Rauchen mit unangenehmen Vorstellungen und verankert positive Gefühle an neue Nichtrauchersituationen.

Akupunktur

Bei dem alten chinesischen Verfahren wird mit drei Nadeln in die „Suchtpunkte“ des Ohres gestochen. Das dämpft das Verlangen nach Tabak und mildert die Entzugserscheinungen.

Autogenes Training

Das autogene Training ist eine Entspannungstechnik, die das Unterbewusstsein schult. Es verbessert die Körperwahrnehmung sowie die Fähigkeit zur Selbstbestimmtheit.